6 Stundenlauf! Schon oft gehört, noch nie selbst die Erfahrung gemacht, was es bedeutet, 6 Stunden lang wie ein Hamster im Rad immer die selbe 1,6km-Runde zu laufen. Mental sicher hart, aber ich hatte mir ja nichts weiter vorgenommen, als einen langen Lauf zu machen, irgendwas um die 30-35 km als Vorbereitung für Frankfurt. Wußte ja überhaupt nicht, wie fit ich nach Zofingen sein werde. Wenns gut läuft, dann vielleicht ein Marathon - einer mehr in der Sammlung - Nummer 19. Und dann aufhören oder noch ein bischen wandern um irgendwann für die Staffel weiterlaufen. So der Plan. Punkt 14 Uhr fällt der Startschuß für alle Rennen.

Die ersten zwei Stunden laufen sich locker weg, es macht Spaß, nichts tut weh, so kann es weitergehen. Ich laufe einen Schnitt um die 5:30/km, alles gut. Irgendwann aber am Ende des ersten Drittels merke ich schon meine Beine. Steckt wohl doch noch ein bischen Zofingen drin. Macht aber nix. Vom Minimalziel 30 km habe ich mich bereits verabschiedet, ein Marathon sollte gehen.
Hier habe ich mal die Kamera mit auf die Strecke genommen, um ein paar Impressionen einzufangen. Leider sind die anderen Bilder verwackelt, keine Zeit zum anhalten... ;o)
Die zweiten 2 Stunden sind angebrochen, es wird zunehmend härter. Das Tempo kann ich gut halten. Marathon immer noch im Blick - scheint kein Problem zu werden. Als ich nach glatt 3 Stunden durch die Zeitnahme laufe, verkündet der Sprecher, daß ich mit 34 km auf Platz 3 liege.... Schei$$... was ist das denn für ein Mist... ich wollte doch aussteigen dann irgendwann!!! Anett ruft es mir in der nächsten Runde noch einmal zu, mehr als ein kurzer Fluch bleibt mir nicht, ich muß mich konzentrieren und meine Ziele rasch neu stecken. Wenn ich den Platz halten kann, werde ich es durchziehen. Verdammt, das wird hart. Ich nehme ein bischen an Tempo heraus, sonst pack ich das nicht. Nach 4:02 hab ich meinen 19. Marathon im Sack.
Von jetzt an tuts richtig weh. Ich muß wirklich beißen, schon so lange gelaufen, noch so viel vor mir... Die letzte Stunde gönne ich mir meine Lieblingsmusik und laufe nur noch wie im Trance, sehe nur noch die Strecke, die langsam von der Abenddämmerung umhüllt wird und gerade an der Stadtmauer mystisch wirkt. Dank der automatischen Rundenzähler und des großen Bildschirms sehe ich immer meine genauen Kilometer und auch die Zeit, die noch bleibt. Ich rechne... 60 km könnten es werden... beiße noch einmal die Zähne zusammen. Aua, das tut weh, lege noch einmal etwas an Tempo zu, aber es ist wirklich hart. Ich denke an Zofingen letzte Woche - das war auch hart, aber die Zeit hat es wohl relativiert. Jetzt tut das hier weh, und wie. Als ich zum letzten Mal die Zeitnahme passiere, habe ich noch 4min bis zur Stunde 6 und 59,9km auf der Anzeige. Ich mobilisiere den letzten Rest an Muskelkraft und auch an mentaler Stärke... schaffe noch einmal 800 m, bis der Schuß fällt und ich auf den Vermesser warten darf. Die offizielle Wertung sagt dann 60,7 km - ich bin hochzufrieden und völlig erledigt. Meinen 3. Gesamtplatz konnte ich verteidigen.

Nach ein wenig Schlaf - es ist jetzt 8 Uhr, werde ich gleich meine erste Runde für die Manschaft drehen. Weiß aber noch nicht, wie das gehen soll.... ;o))