Eigenartige Stille herrschte, als ich am Nachmittag vor dem Wettkampf in Buschhütten auf dem Sportplatz ankam. T2, also die Wechselzone 2 war bereits aufgebaut, und im Freibad trafen sich die Athleten des EJOT-Teams Buschhütten zum Fotoshooting. Kein Gedränge an der Startnummernausgabe, alles ruhig und entspannt - hier herrscht professionelle Routine. Das Freibad macht einen angenehmen Eindruck, der Fingertest fällt beruhigend aus, es ist nicht zu kalt, denn hier herrscht Neoverbot. Ich bin ganz alleine nach Buschhütten gefahren, ich kenne auch niemanden hier, vielleicht treffe ich morgen ein paar Foris aus dem Triathlon-Szene-Forum, aber wäre eher Zufall. Bei den Triathleten ist es anders, als bei den Marathonläufern. Durch verschiedene Starterwellen und das vorherige Einchecken der Räder hat man mit sich selbst zu tun, es ist längst nicht so entspannt. Ich vermisse diese gemütliche Atmosphäre der Marathons und der Foritreffen sehr, aber dies ist nunmal der Sport den ich liebe.
Nachdem ich meine Startertüte abgeholt habe, schaue ich mir noch ein wenig das Treiben im Freibad an und dann beziehe ich meine kleine Zelle in der Jugendherberge in Hilchenbach.
Hilchenbach ist ein kleines gemütliches Fachwerkstädtchen mit etlichen Kneipen, ich gehe noch etwas essen und lasse den Abend vor meinem Laptop ausklingen.

Am nächsten Morgen das gleiche wie immer - keine Lust eigenlich, die Frage nach dem Warum - Kopf ausschalten, raus aus den Federn. Beim Frühstück ist außer mir nur noch eine Sportgruppe aus Thüringen, das Angebot ist reichlich, doch ich bekomm nicht viel runter. Der erste Triathlon ist irgendwie doch immer...

Ich bin früh im Freibad, die ersten Staffeln starten um 9, ich um 12:15 Uhr, aber so kann ich mein Auto direkt in der Nähe parken und habe alles "Vor Ort" Ich habe mir einen kleinen Zettel mit den Startnummern der Foris gemacht und halte ein wenig Ausschau, treffe auch "Gurke", nette Abwechselung, wenn man sonst ganz allein ist. Als die Zeit näher rückt, steigt meine Nervoistät... dabei ist es mein 10. Triathon und der Keineahnungwievielhundertste Wettkampf. Mir ist schlecht. Aber irgendwie ist es cool, mit den Topathletinnen am CheckIn zu stehen. Nachdem die Räder stehen, geht alles ganz schnell, keine Zeit mehr zum warmmachen, Bahn gesucht, Zeiten besprochen mit den anderen (8 auf einer Bahn), sortiert, 3 -2 - 1 - Peng und es geht los. Alle Anspannung fällt ab, ich schwimme mein Ding, nicht schnell, das trau ich mich nicht, ich bin auch gut einsortiert, keine Prügellei, werde überrundet, überrunde selbst auch einmal (immerhin) und komme nach nicht ganz 23 min aus dem Wasser. Miese Zeit, aber das war klar, nun kann der Spaß beginnen. Rauf aufs Rad, die Autobahn hoch und runter, das macht Laune, ich liebe diesen Sport. 1:13 für 40 Kilometer, das ist meine bisher beste Radzeit bei einem Triathlon, wie schön, die vielen Winterkilometer zahlen sich aus. Auch der Wechsel auf die Laufstrecke klappt problemlos, keine lahmen Beine, Training hilft, ich tangiere Ina Reinders und werde von Lena Brunkhorst überholt (sssst und weg), nach 5 Kilometern sehe ich auf die Uhr, 2:30 war mein Ziel, da ist viel Luft, ich streng mich nicht mehr wirklich an, genieße den Wettkampf, die Atmosphäre und laufe nach 2:25 locker ins Ziel! Treffe anschließend tatsächlich noch einige Foris, bejubele die Sieger,
auch Andreas Niedrig, bekannt durch seine Autobiografie "Vom Junkie zu Ironman" - Gänsehaut pur - Buschhütten ist ein perfekter Wettkampf und DIE Saisoneröffnung schlechthin. Kaum vorstellbar, dort im nächsten Jahr nicht wieder zu starten.

Publikumsliebling Andreas Niedrig im Ziel

Sebastian Kienle - Sieger Buschhütten 2009

Ja, das war mein Saisonstart in Buschhütten, der Traum, der wahr wurde, durch eine simple Mail an die netten Organisatoren, vielen Dank noch einmal dafür.
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Der andere Traum - der mir wesentlich mehr Magenschmerzen bereitete - die Radstrecke der Challenge Kraichgau. Als ich mich im letzten Jahr für meine erste Mitteldistanz anmeldete, hatte ich überhaupt nicht aufs Profil geachtet - wie dumm... Buschhütten liegt etwas mehr als einen Ironman (226km) vom Kraichgau entfernt und Wolf Dieter hatte sich angeboten, mit mir die Strecke abzufahren und mir Quartier zu geben. Dankend hab ich das Angebot angenommen, auch wenn ich nicht wußte, wie sich meine Beine nach Buschhütten anfühlen würden. Aber 90 Kilometer sollten immer gehen, wenn man in 5 Wochen eine Mitteldistanz finishen will. So trafen wir uns Montag Mittag halb 12, der Regen war verzogen, die Sonne kam heraus und mit ihr eine ziemliche Schwüle. Nach etwa 5 Kilometern ging es in die "Berge", die Oli "Hügel" nennt, ich hielt mich vom Tempo her vorsichtig zurück, fühlte mich aber gut. Die Beine waren frischer als ich dachte, wenn`s bergab ging, hatten meine Bremsen gut zu tun, während Wolf Dieter davonsauste. Ich bin da eher etwas ängstlich, wenn mein Tacho bei 55 angekommen ist, hab ich solche Reflexe in den Händen... :o) Das muß ich noch lernen, aber es ist schwierig, das hier zu Hause zu trainieren. Die Kilometer vergingen rasch, die Strecke ist durch das ständig Auf und Ab wunderbar kurzweilig. Die Welt war in sattes Grün getaucht, das nur von gelb leuchtenden Rapsfeldern unterbrochen wurde, ein wunderschöner Ausblick überall. In einem Städchen ging es eine steile Gasse hinauf, beim Anblick selbiger hatte ich die Hosen etwas voll, fürchtete ich doch, hier einfach mit dem Rad umzufallen, weil ich nicht aus den Pedalen komme. Aber die Furcht war umsonst, ich kam gut hinauf und nachdem mir Wolf Dieter versichtert, das dies das Schlimmste war, hab ich mich dann auch an den anderen Anstiegen getraut, etwas mehr reinzutreten. Es war einfach großartig und es fühlte sich gut an. Nach 3:34 Fahrzeit und 91 Kilometern waren wir wieder an unseren Autos und ich hatte das gute Gefühl: da geht noch was.

Wolf Dieter vor mir auf dem Weg zum höchsten Punkt der Strecke, der zweimal passiert wird.
OBEN


Ein Foto geht immer... ;o)
Am Abend gings dann zum 1. Freiwassertraining der Saison an den Hardtsee, in dem auch zur Challenge geschwommen wird. Ganz einsam und still lag er noch da, kaum vorzustellen, daß hier in 5 Wochen das Wasser brodeln wird. Leider mußten wir nach 500 m aus dem Wasser, wegen eines heftigen Hagelgewitters, aber Sicherheit geht vor.

Gewitterstimmung
An diesem Abend hatten wir uns noch viel zu erzählen, schließlich sahen wir uns zum ersten Mal, obwohl wir uns schon so lange kannten. Es hat viel Spaß gemacht und ich hoffe, ich kann mich irgendwann einmal revanchieren für diese Gastfreundschaft! Vielen Dank Wolf Dieter!
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Am Dienstag bin ich dann nach 750 Kilometern und langen 7 Stunden Autofahrt wieder zu Hause angekommen. Kurios ist, das mir nach 3 Stunden Radfahren weniger weh tut, als nach 3 Stunden Autofahren. Zur Entspannung war ich dann am Abend noch kurz laufen und im Schwimmbad. Gestern gabs mit Frederik, Roth-Finisher und gerade aus dem Winterschlaf erwachter Trainingsfreund, einen netten Lauf über 17 Kilometer und heute wollen wir mit dem Neo in den See. Alles in Allem bin ich guter Dinge, fühle mich topfit, auch das Gewicht ist wieder auf Wettkampfniveau. Morgen dann ein Ruhetag und am 16. auf dem Langdistanz-Duathlon so richtig den Hintern voll bekommen.